Vor kurzem habe ich der Schauspielerin M erzählt, dass ich darüber nachdenke, ihre Autobiografie zu schreiben. Die Idee gefiel ihr. Sie ist ziemlich aufgeschlossen.
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Aber warum erfindest du sie nicht einfach?
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, meinte sie.
Mit dieser Frage öffnet sich eine Welt, in der Wirklichkeit und Fiktion ununterscheidbar werden. Denn M ist eine globale Ikone und existiert längst öffentlich in unendlich vielen Bildern – in Rollen, Szenen, den Erinnerungen anderer. Das eigene Leben hingegen bleibt ihr die fremdeste Rolle. Zwischen der Schauspielerin und der Erzählerin entspinnt sich ein faszinierendes Gespräch: über Sichtbarkeit und Rückzug, über die Zumutungen fremder Blicke und die Arbeit am Selbst. Während M sich als Material im Werk anderer begreift, misstraut die Erzählerin dem Film als Flucht in andere Leben. Aber zugleich sind sie beide damit beschäftigt, sich eine Identität zu entwerfen – aus Fragmenten, Projektionen, Verlusten. Mit jeweils dramatischen Folgen.
Wer oder was spricht da eigentlich, wenn wir sprechen? Und wie sehr verkörpern wir immer schon eine Fiktion, spielen eine Rolle?
Das Leben der M
ist ein staunenswertes literarisches Vexierspiel über Selbstentwürfe und die Frage, was unser Leben erzählbar macht.