Paris im Schatten des Krieges | Ein Hotel als Brennpunkt von Flucht und Verfolgung im besetzten Paris
Das Grand Hotel Lutetia ist eine Pariser Institution. James Joyce hatte dort ein Zimmer, Picasso und Matisse waren Stammgäste. Doch vor, während und nach der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg war das Hotel Schauplatz einiger der dramatischsten Ereignisse dieser Jahre.
Zunächst eine Anlaufstelle für Intellektuelle im Exil und für Vertreter des deutschen Widerstands, wurde es nach der Besetzung durch die Wehrmacht zum Hauptquartier des deutschen Militärgeheimdienstes, der »Abwehr«, und damit zum Mittelpunkt der brutalen Operationen gegen die Feinde des Reichs. 1945, nach der deutschen Niederlage, wurde es erneut requiriert: diesmal als Aufnahmezentrum für Überlebende der Konzentrationslager.
Mitreißend und empathisch, auf Basis vielfältiger literarischer Quellen und Zeitzeugenberichte, erzählt Jane Rogoyska von der wechselvollen Geschichte des Hotels und seiner Gäste – Menschen, wie sie verschiedener nicht hätten sein können: Anna Seghers, Gisèle Freund, Heinrich Mann, Alfred Döblin, Arthur Koestler, Alfred Kantorowicz; Oscar Reile und Wilhelm Canaris; und die vielen traumatisierten Menschen aus den Lagern, die vom Hotel aus für ein neues Leben in Freiheit bestimmt waren.