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December 1983Die Verschleppung
Njetotschka Iljaschenko erzählt ihre russische Kindheit
by Josef Winkler
»Eine ausgemergelte, schwarz gekleidete Frau schlapft, laut vor sich hinredend, mit sechs vollgepackten blauen und einem weißen Plastiksack vorbei, einer der beiden neben der Kirche stehenden Carabinieri hebt sein Bein auf eine Steinsture und schnürt sein rechtes Schuhband zusammen. Vor der geschlossenen Kirche sitzend, fällt mir ein, daß Njetotschka Wassiljewna lljaschenko in ihrem ukrainischen Heimatort Dóbenka wenige Stunden, bevor die Kolchosführer gewalttätig die Kirche schlossen und die Ikonen zerstörten, das Heilige Sakrament der Taufe empfangen hatte. Bevor sie, Jahre nach ihrer Verschleppung in einem Viecherwaggon aus der Ukraine nach Kärnten, den Jungbauern, auf dessen Hof sie als Magd gearbeitet hatte, heiratete, sagte der Dorfpfarrer, daß der Bauer sie nur ehelichen könne, wenn sie bereits in Rußland getauft worden sei. Und Njetotschka Iljaschenko erzählte dem Dorfpfarrer ihre Geschichte.«
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November 2002»Es gibt ein Geheimnis in der Welt«
Tradition und Säkularisation. Ein Vortrag und ein Gespräch
by Gershom Scholem, Itta Shedletzky, Itta Shedletzky
Wie beurteilte Gershom Scholem, der große Gelehrte und Erforscher der jüdischen Mystik, die überlebenschancen des Judentums in einer säkularisierten Welt? Darüber geben zwei Texte Aufschluß, die in diesem Band zum ersten Mal auf deutsch veröffentlicht werden.Der Vortrag »Einige Betrachtungen zur jüdischen Theologie in dieser Zeit« und ein Gespräch, in dem er über sich und sein Denken Auskunft gibt, entstanden in den Jahren, in denen Scholem an seinen autobiographischen Büchern Walter Benjamin – die Geschichte einer Freundschaft (1975) und Von Berlin nach Jerusalem. Jugenderinnerungen (1977) arbeitete. Der engagierte, streitbare Denker äußert sich hier direkter, offener, persönlicher zu wichtigen Fragen und Themen, die sein Leben und Werk prägten: Er spricht von seiner Beziehung zu Rosenzweig und Benjamin, seiner Hinwendung zum Judentum und zum Zionismus sowie seiner Wahrnehmung der gegenwärtigen jüdischen Befindlichkeit in Israel und der Diaspora. In seinem prägnanten überblick über die begründenden Momente der jüdischen Theologie wie im Gespräch nimmt Scholem klar Stellung zu der Frage, welche Bedeutung in seiner Sicht der jüdisch-religiösen Tradition in der modernen Welt zukommt.»Es ist selbstverständlich, daß die Frage nach unserem Verhältnis zur Tradition des Judentums und zu dessen Geschichte als die eines Volkes, das sich in entscheidender Weise unter religiöser Inspiration geformt und entwickelt hat, auch in einem Zeitalter der Säkularisation nicht bedeutungslos oder gar hinfällig geworden ist.«
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November 2026Die Enden des Blicks
by Christian Lehnert
Horizonte sind Grenzlinien der Erfahrung, die ein Hier und ein Dort, ein Diesseits und ein Jenseits erzeugen und den Raum des Lebens bestimmen. Christian Lehnerts neues Buch, Die Enden des Blicks , geht auf Horizonte zu, auf Grenzen der Wahrnehmung und der Existenz, versucht sie zu erkunden – jene Welten, die nur in der Vorstellung existieren und diese zugleich transzendieren, denn sie weisen auf etwas dahinter. Jenseits aber der Enden des Blicks, markiert durch die dürren Fakten von Geburt und Tod, was ist dort? Nichts? Das Ich dieses Buches, Jakob Hesychow, gerät im Versuch des Ausschreitens dieses »Dahinter«, träumend, imaginierend, selbst in eine Grenzlage. Vorübergehend ist er in ein altes Haus im Gebirge gezogen. Naturgänge und Alltagsarbeiten an dem alten Gehöft überlagern sich mit Kindheits- und Jugenderinnerungen aus einer Zeit der Diktatur, wo starke Jenseitshoffnung unter dem Begriff des Kommunismus das kindliche Bewusstsein bestimmten. Doch ist das Haus wirklich? Darf den Erinnerungen getraut werden? Und ist das fremde Kind, das eines Tages auftaucht und Trost sucht, nur ein Phantasma von Jakobs eigener vermissten Tochter? In ihrem Fortgang wird diese Prosa, wie die in ihr aufgehobenen religiösen Erzählungen, selbst zu einer Möglichkeitsform des Unmöglichen, zu einem radikal offenen Raum, in dem die beschränkenden Horizonte implodieren und der sich ins Jenseits weitet.